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Redezeit 1 ::: Da gab es Sachen, Einhundertundzwanzig

Stichwort von Phettberg: "Jede Person hat das Grundrecht, zu lügen."
Manuel Bräuer in Nathan NetWork

Es soll also wieder Diskussionskultur geben in Österreich! Das ist die starke Ansage, das ist die Absicht hinter der Talkshow namens Redezeit. Und so fanden sich die mehr oder weniger gesprächserprobten Diskutanten Werner Schneyder, Doris Knecht, Hermes Phettberg und Lothar Höbelt im Rabenhof zusammen um den Tratsch zu begraben und den Diskurs wiederzubeleben. Moderatorin war die Veranstalterin Andrea Maria Dusl.

Dass drei der fünf Teilnehmer Kolumnisten bei der Stadtzeitung Falter sind soll verziehen werden, obwohl man sich natürlich den Vorwurf gefallen lassen muss dass dies einen leicht inzestuösen Eindruck vermittelt -- man stelle sich nur vor wie groß die Aufregung wäre die Kronen Zeitung veranstaltete ein ähnliches Spektakel. Obwohl, wenn man sich Offen Gesagt so ansieht -- was ich nicht mache -- erscheint der Gedanke nicht allzu absurd.

Die Frage der Fragen an diesem Abend war für mich:

Lässt sich ein Diskussionsnotstand wegdiskutieren? Ja und Nein. Ja, weil schon das Aussprechen und Veranschaulichen dieses Problems ein Schritt zur Lösung ist. Nein, weil das Aussprechen nicht genug sein kann, weil es nicht reicht den Mangel an Diskussionskultur festzustellen um ihn zu beseitigen. Und daran scheiterte dieser erste Abend auch, daran musste er scheitern. Dass man eine Hinwendung von der bloßen Verlautbarung zum lustvollen Streitgespräch wolle wurde nur verlautbart, danach trat wieder jene tödliche Dynamik ein die seit Anfang der Neunziger Jahre das Gespräch in der österreichischen Öffentlichkeit abwürgt.

Spezialist auf diesem Gebiet war -- wie durch seine FPÖ-Nähe nicht anders zu erwarten -- der Geschichtsprofessor Lothar Höbelt. Nach ein paar klugen Aussagen zu Beginn verlagerte er seine Vorgehensweise auf eine rein destruktive Ebene. Die Linken täten sich halt jetzt gerade selbst leid, weil sich die Opposition eben immer selbst leid tut, so ist das halt, was will man sich erwarten. Den teilweise etwas naiven und nicht zeitgemäßen Idealismus einer Dusl konnte er so leicht auseinander nehmen. Und auch die äußerst unterhaltsamen Feindschaftsbekundungen von Hermes Phettberg ihm gegenüber konnten daran nichts ändern.

Der Zyniker, der der sich von der Welt generell nichts erwartet muss gewinnen, denn er hat nichts zu verteidigen, nichts für das er einstehen müsste. Er kann sich voll darauf konzentrieren die Ideen und Wünsche der anderen zu zerstören. Ich stelle diesen Mechanismus in den letzten Jahren überall fest -- unabhängig von links oder rechts. Niemand will sich auf etwas festlegen, jeder versucht über allem zu stehen um sich so mit einem seichten Pessimismus aus jeder Lage retten zu können.

Um dieser Methode entgegentreten zu können braucht es schon mehr als Ideale und Wünsche, dazu braucht es beinharte strategische Argumentation, gute Recherche und wahrscheinlich sogar, wie in "Wiesner fragt", Videobeweise. Es muss wieder festgenagelt werden im Staate Österreich! Das war in nur einer Gesprächsrunde natürlich nicht möglich. Aber mit etwas Glück und viel Willen zum Lernen kann aus der Reihe "Redezeit" womöglich wirklich die Speerspitze einer neuen Diskussionskultur werden. Ich bin bereit!

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--> Manuel Bräuers Nathan NetWork

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30. April 2006 © Andrea Maria Dusl


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